Blaumaskenamazone

BLAUMASKENAMAZONE
POPULATION NACHHALTIG GESICHERT?

Die auf der Karibischen Insel St. Lucia endemische Blaumaskenamazone zählte noch vor einigen Jahren zu den seltensten Papageienarten der Welt. Wilderei, Handel und Naturkatastrophen drängten die Spezies an den Rand der Ausrottung. Nur dem engagierten und konsequenten Handeln der Regierung von St. Lucia und einiger Unterstützer ist es zu verdanken, dass die Art heute als stabil gilt.

 

ACTP ist offizieller Partner der Regierung von St. Lucia und unterstützt weiterhin notwendige Schutz- und Zuchtbemühungen, um den langfristigen Fortbestand der Art zu garantieren.

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STATUS

 

Die Blaumaskenamazone (Amazona versicolor), die nur auf der Kleinen Antillen-Insel St. Lucia in der Karibik vorkommt, hat in den vergangenen 30 Jahren ein bemerkenswertes Comeback erlebt. Mitte der 70er war ihr Bestand auf Grund von illegalem Handel und der massiven Zerstörung des Lebensraumes auf etwa 100 Vögel gesunken. Folglich wurde die Art als stark gefährdet eingestuft und rückte in den Fokus des internationalen Artenschutzes.

 

SCHUTZMASSNAHMEN UND IHRE ERFOLGE

 

Schutzmaßnahmen für die verbliebenen Regenwälder auf St. Lucia und die Forcierung von Gesetzen, welche den lokalen und internationalen Handel sowie die Jagd verbieten, zeigten zunehmend Erfolge. Die Population der Blaumaskenamazone stieg seitdem kontinuierlich an und erholte sich zusehends. Eine von ACTP ermöglichte Bestandszählung im Jahr 2009, ergab eine Populationsgröße von 1.750 bis 2.250 Vögel.

 

POPULATION BEREITS NACHHALTIG GESICHERT?

 

Nichtsdestotrotz gibt die Beschränkung einer Art auf einen solch kleinen Lebensraum, welcher durch den Druck einer wachsenden Bevölkerung und immer häufiger auftretenden Naturkatastrophen bedroht ist, keinen Anlass, den Bestand der Blaumaskenamazone als nachhaltig gesichert zu betrachten. Die Regierung von St. Lucia und ACTP sind sich bewusst, dass Naturkatastrophen die Population der Blaumaskenamazone erneut unter Druck setzen könnten.

 

SCHUTZMASSNAHMEN

 

Da der Bestand der Blaumaskenamazone gegenwärtig relativ sicher zu sein scheint, gilt die Aufmerksamkeit der Artenschützer auf St. Lucia und des ACTPs einer langfristigen Sicherung der Population in freier Wildbahn. Zu diesem Zweck vereinbarten die Regierung von St. Lucia und ACTP ein gemeinsames Vorgehen zur nachhaltigen Sicherung der Art.

 

Die Zusammenarbeit zwischen St. Lucia und ACTP umfasst eine breite Palette an Schutz- und Arterhaltungsmaßnahmen. Ein maßgeblicher Bestandteil davon ist ein innovatives Arterhaltungs-Konzept, in welchem Wildtiere langfristig für ihren eigenen Schutz beitragen können und sollen. Unter dem Motto „Can wildlife pay for itself?“, sollen auf innovativen Wegen, finanzielle Mittel generiert werden, welche Schutz- und Arterhaltungsmaßnahmen langfristig garantieren.

 

Konkret umfasst die Zusammenarbeit zwischen St. Lucia und ACTP folgende Schutzmaßnahmen:

 

1. Durchführung von umfangreichen Bestandszählungen

Im Jahre 2009 wurde eine detaillierte Bestandszählung der Amazonen durchgeführt, um mit größtmöglicher Genauigkeit den Status der Art zu bestimmen. Die erhaltenen Zahlen bilden die Basis für Bestandskontrollen in der Zukunft, denn nur so können Trends frühzeitig erkannt werden. ACTP unterstützte die Bestandszählung durch umfangreiche finanzielle Mittel.

 

2. Ausstattung des Forestry Departments
Zur Durchführung der Bestandszählung, als auch für zukünftige Zählungen, spendete ACTP unabdingbares technisches Equipment. Unter anderem wurden GPS-Geräte, Allrad-Fahrzeuge und Laptops angeschafft.

 

3. Förderung der Mitarbeiter des Forestry Departments durch Weiterbildungsmaßnahmen
Die Vereinbarung zwischen St. Lucia und ACTP beinhaltet ebenfalls die Weiterbildung der Mitarbeiter des Forestry Departments auf dem Gebiet der Arterhaltung. So finanzierte ACTP, dank der Unterstützung von engagierten Spendern, die Ausbildung von Mitarbeitern und unter anderem die Finanzierung von Master-Studiengängen.

 
4. Wiederaufbauprojekten nach der katastrophalen Zerstörung durch Hurrikane Tomas
Im Jahre 2010 traf Hurrikane Tomas die Insel St. Lucia mit voller Wucht und stellte die schwerste Naturkatastrophe seit 1980 dar. Schäden und Verluste für die verschiedenen Wirtschaftssektoren summierten sich auf c.a. US$336 Mio. Weite Teile der Wirtschaft wurden lahm gelegt und große Flächen des Regenwaldes, des Lebensraumes des Blaumaskenamazone und anderer Tiere, wurden zerstört. ACTP unterstützte die Wiederaufbau- und Wiederherstellungsmaßnahmen mit einer Spende von €100.000.

 

Die Zusammenarbeit der Regierung von St. Lucia und des ACTP sieht darüber hinaus die Errichtung eines Wildlife Conservation and Education Center (WCEC) auf St. Lucia vor. Ziel des WCEC ist die Aufklärung und Sensibilisierung der lokalen Bevölkerung als auch der Touristen für den Schutz der Blaumaskenamazone. Gleichzeitig sollen durch die Besuche von Touristen Einnahmen generiert werden, welche langfristig den Schutz der Blaumaskenamazone garantieren können.  

Diese Schutzmaßnahmen werden auch anderen auf der Insel lebenden Vogelarten zugutekommen. Durch den Schutz von Lebensraum, profitieren auch Arten, die heute sogar gefährdeter sind als die Blaumaskenamazone. Vom möglicherweise ausgestorbenen Blassfuß-Waldsänger (Leucopeza semperi) gibt es seit 1961 keine Sichtungen mehr. Die lokale Unterart der Antillendrossel (Cichlherminia lherminieri sanctaelucae) ist extrem selten. Die Weißbrust-Spottdrossel (Rhamphocinclus brachyura) und der St. Lucia-Gimpelfink (Melanospiza richardsoni) sind mit Populationen von jeweils unter 1.000 Exemplaren stark bedroht. Diese Arten, und mit ihnen die Blaumaskenamazone, werden langfristig nur erhalten werden können, wenn der Rückgang der Waldbestände gestoppt werden kann.

 

ACTP ZUCHTPROGRAMM

 

Im Januar 2010, schloss die Regierung von St. Lucia und ACTP ein Zuchtleihvertrag für die Blaumaskenamazone. Vor diesem Hintergrund wurden bereits in Europa befindliche Vögel in die Einrichtungen von ACTP überführt. Ebenfalls wurden Vögel aus St. Lucia in die Anlagen von ACTP übergeben. 

 

Vordergründiges Ziel des Zuchtprogrammes ist, trotz der relativ stabilen Population in freier Wildbahn, die Schaffung einer Sicherheitspopulation für den Fall von erneuten Naturkatastrophen. Eine genetisch stabile Sicherheitspopulation soll als Versicherung für den schlimmsten aller Fälle dienen.

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